Politik aus nächster Nähe - Bundestagsabgeordneter für vier Tage

06.06.2019

Auf meine Einladung hatte der 19-jährige Georg von Fritsch aus Adelsheim die Chance, am Planspiel „Jugend und Parlament“ in Berlin teilzunehmen. Insgesamt kamen weit über 300 Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren aus der gesamten Bundesrepublik in Berlin zusammen, um dort in die Rolle eines Bundestagsabgeordneten zu schlüpfen und an fiktiven Gesetzesvorhaben mitzuarbeiten. Seine Erfahrungen, die er während der vier Tage machen konnte, schildert er im nachfolgenden Bericht:

"Einmal Bundespolitik machen, im Deutschen Bundestag eine Rede halten über Gesetzesvorhaben abstimmen. Durch die Nominierung von Alois Gerig, MdB für die vom Deutschen Bundestag ausgerichtete Veranstaltung Jugend und Parlament, konnte ich für vier Tage die Rolle eines Bundestagsabgeordneten übernehmen. Hierfür bekamen alle Teilnehmende eine neue Identität, Rolle und Partei zugelost. Ich sollte von nun an als Abgeordneter der „Partei für Engagement und Verantwortung (PEV)“ liberal-ökologische Interessen vertreten. Persönlich agierte ich als Vincent Graf, ein 33-jähriger Freiburger, der seit drei Jahren im Bundestag sitzt und sich nach einer Ausbildung seinem Biologiestudium und der Politik zugewendet hat.

Bei „Jugend und Parlament“ werden parlamentarische Prozesse nicht nur erläutert, sondern Jugendliche konnten vielmehr jene Prozesse spielerisch durchleben. Für mich galt es, im Rahmen meiner Mitgliedschaft im Ausschuss für Verfassung, sich für die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre einzusetzen. Die besondere Problematik bestand in der Tatsache, dass die Absenkung einer Grundgesetzänderung bedarf, die wiederum eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag erfordert. Unsere Partei, die in Regierungsverantwortung mit der so genannten „Gerechtigkeitspartei“ stand, besaß allerdings nur eine absolute Mehrheit im Bundestag. Wir mussten folglich in zahlreichen Arbeitsgruppen-, Landesgruppen- und Fraktionssitzungen eine gemeinsame Strategie entwickeln, um einzelne Abgeordnete der Oppositionspartei, der „Bewahrungspartei“, für unser Vorhaben zu gewinnen. Mein persönlicher Höhepunkt war sicherlich die Sichtweise meiner Fraktion in Form einer Rede im echten Bundestag vertreten zu dürfen und anschließend über die fiktive Gesetzesvorlage abstimmen zu können. Zwar verfehlte unsere Koalition die erforderliche Zweidrittelmehrheit, dennoch überwog im Anschluss der Abstimmung Stolz und Zufriedenheit, in der Herzkammer der Demokratie unseres Landes, Bundespolitik gemacht zu haben. Darüber hinaus bot die Veranstaltung exzellente Austauschmöglichkeiten mit anderen, politikaffinen Jugendlichen ganz unterschiedlicher politischer Ausrichtungen.

Ich persönlich bin in meinem „echten“ Leben bei der Jungen Union engagiert, die im Gegensatz zu der fiktiven Partei, der ich während der Veranstaltung angehörte, für eine bürgerlich-konservative Politik steht. Was sich am Anfang noch als Problem für mich zeigte, entwickelte sich im Laufe der Veranstaltung zu einer einmaligen Reflexionsmöglichkeit der eigenen politischen Ansichten. Gerade in unserem angespannten, polarisierten, politischen Zeitalter ist die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, andere Standpunkte und Interessen verstehen zu lernen, wichtiger denn je.

Mit einer Podiumsdiskussion, an welcher die Fraktionsspitzen aller im Bundestag vertretenen Parteien teilnahmen und über ihre parlamentarischen Erfahrungen sprachen, endete die Veranstaltung.

Abschließend möchte ich einen besonderen Dank an unseren Bundestagabgeordneten Alois Gerig richten, durch dessen Vorschlag ich nicht nur an „Jugend und Parlament“ teilnehmen durfte, sondern der mir auch noch in sein Bundestagsbüro einlud, sich ganz persönlich Zeit nahm, um über seine politischen Erfahrungen im Deutschen Bundestag mit mir zu sprechen."  (Von Georg von Fritsch)