Nachfragehoch auf deutschem Holzmarkt

22.05.2021

Alois Gerig: „Es gibt ausreichend Holz im deutschen Wald - jetzt ist Besonnenheit gefragt!“

Die gestiegene Nachfrage nach Schnittholz aus den deutschen Wäldern führt derzeit zu einem angespannten Holzmarkt und politischen Diskussionen. Dazu erklärt der forstpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfaktion Alois Gerig, MdB:

„Die aktuelle Situation ist komplex und die Gründe für die gestiegene Nachfrage sind vielschichtig.“ Ein globaler Bauboom führe zu einem gestiegenen Bedarf fast aller Bau- und Rohstoffe. Die weltweit gewachsene Bauholznachfrage sorge seit Längerem zu einem gestiegenen Export von europäischem Nadelschnittholz. Internationale Handelsbeschränkungen und Schädlingsbefall in Nordamerika würden die Lage verschärfen und zu veränderten Handels- und Lieferströmen führen. Doppelbestellungen und Hamsterkäufe von holzverarbeitenden Betrieben verzerrten zudem das Bild. Auch die Binnennachfrage nach Holz sei gestiegen: Viele Deutsche haben während des Lockdowns ihre Gärten und Häuser renoviert und der Holzbau boome.

„Diese komplexe Lage kann durch Einzelmaßnahmen, wie geforderte „Exportstopps“, nicht gelöst werden und diese wären nur auf europäischer Ebene möglich, was sehr lange dauern würde“, betont Alois Gerig. Es handle sich um ein natürliches Marktgeschehen mit begrenzten externen Steuerungsmöglichkeiten. „Gute Preise im eigenen Land sind das beste Mittel gegen Export“, so der forstpolitische Sprecher weiter.

„Ich rufe alle Glieder der Wertschöpfungskette zur Besonnenheit auf. Im deutschen Wald ist ausreichend Holz vorhanden – auch um den gestiegenen Bedarf zu decken“. Das Überangebot durch große Schadholzmengen schwäche jedoch die Marktposition der Waldbesitzenden. Die deutsche Nadelholzsägeindustrie hingegen verzeichnete 2020 Rekordumsätze. „Hier appelliere ich an die Solidarität der gesamten Branche und hoffe, dass die guten Preise möglichst bald bei den Waldbesitzenden ankommen.“ Zudem sei weiterhin ein enger Austausch entlang der ganzen Wertschöpfungskette entscheidend. Außerdem wirbt Gerig dafür, vermehrt Schadholz zu verarbeiten, da dies in der Regel nur optische Defizite aufweise. Des Weiteren empfiehlt er, sich um langfristige Lieferverträge zu bemühen. Diese helfen, künftige Nachfragespitzen zu glätten, da auch langfristig ein gestiegener Bedarf erwartet werde.

Die vor einigen Wochen in Kraft getretene Holzeinschlagsbeschränkung habe übrigens kaum einen Einfluss. Die Begrenzung gelte nur bis September 2021 und entspräche einem bundesweiten Mindereinschlag von ca. 3 Mio. m³ bis 3,5 Mio. m³ bei der Fichte. Dem gegenüber stünden aktuell knapp 36 Mio. m³ verfügbares Schadholz in den deutschen Wäldern. Zudem ist geplant, den Bundesländern freizustellen, eine Bagatellgrenze einzuführen, um die Klein- und Privatwaldbesitzenden zu entlasten. „Die Materialknappheit im deutschen Holzbau ist daher zurzeit kein Mengen- sondern ein Preisproblem“, so Alois Gerig. „Die Nachfrage ist hoch und der Preis zieht, zumindest nach der Säge, an – das war die Branche lange nicht mehr gewöhnt.“