Mein Beitrag zum 5. Zukunftsdialog Agrar & Ernährung in Berlin

08.06.2018

Nahrung ist für uns so essentiell wie Luft und Wasser. Aus diesem Grund ist die Diskussion im Bereich Ernährung und Landwirtschaft kontrovers und oft auch emotional. Besonders im Hinblick auf die Zukunft stellen sich die Fragen, was wir auf dem Teller haben werden, wie die Erzeugung dieser Lebensmittel aussieht und wo sie angebaut werden. 

In dieser Woche war ich deshalb beim 5. Zukunftsdialog Agrar & Ernährung auf dem Podium. Diskutiert wurden die Herausforderungen in der Tierhaltung aus dem Blickwinkel der Technikrevolution. Ich sage ganz klar: Neue Technologien und Digitalisierung in der Landwirtschaft verbessern die Lebensmittelqualität.  

Die Qualität unserer Lebensmittel in Deutschland ist nachweislich auf einem sehr guten Niveau. Auch das Tierwohl und die Lebensmittelsicherheit sind auf einem hohen Standard – das zeigt auch der Vergleich mit anderen Ländern. Gleichzeitig wird durch den Lebensmitteleinzelhandel und auch durch uns Verbraucher ein enormer Kostendruck auf die Landwirtschaft ausgeübt. Die Folgen sind schon länger zu beobachten: Zahlreiche Betriebe geben ihre Tierhaltung oder sogar den gesamten landwirtschaftlichen Betrieb auf. Andere vergrößern ihren Tierbestand, um wirtschaftlicher produzieren zu können. 

Dabei liegt es im Interesse des Landwirts, dass es seinen Tieren gut geht – das steigert letztendlich auch den Ertrag. Wie in jeder Branche gibt es auch in der Landwirtschaft schwarze Schafe. Die Stimmungsmache der GRÜNEN, Medien und der Umwelt/Tierschutzlobby, die deshalb eine ganze Branche an den Pranger stellen, verärgern mich.

Das Ergebnis daraus ist, dass viele Verbraucher bei diesem Thema verunsichert sind. Die Forderung nach besseren Haltungsbedingungen für Tiere steigt. Das setzt eine Bereitschaft der Landwirte voraus. Allerdings müssen die dadurch entstehenden Kosten von uns Verbrauchern an der Ladentheke bezahlt werden.

Was unternimmt die Politik?

Die Koalition plant, ein staatliches Tierwohllabel einzuführen, um uns beim Kauf von Fleisch eine verlässliche Kategorie für bessere Tierhaltung zu liefern. Ähnliches kennt man bereits bei den Eiern – hier hat man u.a. die Wahl zwischen Boden- oder Freilandhaltung. Ein weiteres Ziel des Labels soll es aber auch sein, dass Erzeuger den Mehraufwand honoriert bekommen.

Zudem will die Koalition auch die Nutztierhaltungsstrategie umsetzen und weiterentwickeln. Einige Schwerpunkte sind: Die Verbesserungen von Haltungsbedingungen durch moderne Ställe, Umweltbelastungen und Antibiotikaresistenzen reduzieren, kleine und mittlere Betriebe finanziell bei den steigenden Anforderungen an die Tierhaltung unterstützen. Ziel ist es, die Wirtschaftlichkeit und somit die heimische Lebensmittelproduktion zu erhalten und der Landwirtschaft durch ein realitätsnahes Bild zu mehr Ansehen in der Gesellschaft zu verhelfen.

Wir möchten mit unserer Politik Lösungen für bestehende Probleme finden, anstatt mit zahlreichen Verboten die heimische Landwirtschaft kaputt zu machen. Dabei setzten wir auch auf technischen Fortschritt und Digitalisierung.

Was kann Wissenschaft und Technik zur Tierhaltung beitragen?

Das Landwirtschaftsministerium hat rund fünf Mio. Euro in die Erforschung von Alternativen für das Schreddern männlicher Küken investiert. Daraus sind zwei vielversprechende Verfahren zur Geschlechterbestimmung im Ei hervorgegangen. Es liegt nun an der Wirtschaft, diese Innovation in die Praxis umzusetzen. Die Koalition möchte so das Töten von Eintagsküken bis zur Mitte der Legislaturperiode beenden. Das ist nur ein Beispiel einer notwendigen Lösung des Problems, die dem Tierschutz dient, ohne die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu gefährden.

Digitale Stalltechnik ermöglicht bedarfsgerechte Fütterung, eine bessere Überwachung des Stallklimas und eine Früherkennung von Krankheiten – das kommt unmittelbar dem Tierwohl zu Gute. Auch eine zielgenauere Nutzung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln kann durch die Digitalisierung erreicht werden. Das führt wiederum zu weniger Umweltbelastungen.

Auch hier will die Große Koalition weiterhin unterstützen, um die Chancen der Digitalisierung und anderer technischer Fortschritte zu nutzen. Konkret heißt das, dass bis 2021 1,5 Mrd. Euro mehr für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum bereitgestellt werden. Auch der Breitband- und Mobilfunkausbau muss weiter vorangebracht werden. Aus- und Weiterbildungen sollen den technischen Fortschritt ebenfalls ankurbeln. Meldepflichtige Daten müssen so vereinfacht erhoben werden, dass Bürokratie abgebaut wird. Und letztendlich soll der Datenschutz die sensiblen und betriebsspezifischen Daten vor dem Missbrauch Dritter schützen.