Alois Gerig: Bäckerhandwerk und Lebensmittel wieder mehr wertschätzen!

24.03.2020

Die Corona-Pandemie zwang auch die Bäcker-Innung Neckar-Odenwald zu kurzfristigen Änderungen bei Ihrer jährlichen Brotprüfung. Kreative Lösungen mussten her, so dass man sich darauf einigte, nach der Prüfung der eingereichten Backwaren ein Informationsgespräch zur aktuellen Lebensmittelversorgung zu führen. Mit dabei waren neben mir Buchens Bürgermeister Roland Burger, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Neckar-Odenwald-Kreis Michael Windmeißer und unser Backweltmeister Siegfried Brenneis. Die Urkunden an die Bäckereien werden dann zu einem späteren Zeitpunkt verleihen. Aufgeschoben ist somit nicht gleich aufgehoben - Fazit: Man blickt positiv in die Zukunft!

Insgesamt wurden dieses Jahr über 100 Backwaren der Bäckereien Zuckerbeck (Hainstadt), Englert (Dallau), Leiblein (Walldürn), Mayer (Neckarelz), Münkel (Schloßau), Müssig (Walldürn), Schlär (Mudau) und Seitz (Gerichtstetten) angeliefert. Besonders gefreut hat mich, dass bei der Brotprüfung eine hohe Anzahl an Gold- und Silberauszeichnungen vergeben wurden. Dieses tolle Ergebnis zeigt: Die Brotqualität in unserem Kreis ist ganz hervorragend.

In der Buchener BÄKO-Stelle versicherte uns Innungsobermeister Peter Schlär aus Mudau, dass es Versorgungsengpässe dank der zuletzt prall gefüllten Getreidesilos nicht geben wird. Das Lebensmittelhandwerk sei gerüstet. Bei unserem Informationsaustausch ging  Bäckermeister Peter Schlär auch auf die aktuelle Situation ein, indem er auf die Abhängigkeit deutscher Betriebe von außereuropäischen Ländern in Fernost oder Übersee hinwies. Hier zeige sich wieder einmal das besondere am deutschen Bäckerhandwerk, das für kurze Lieferwege, ausgewählte Rohstoffe und Regionalität stehe. Mit Stolz bezeichnete der Innungsobermeister die Bäcker vor Ort als „Garanten für die tägliche Nahversorgung im ländlichen Raum“. Dem kann ich nur zustimmen!

Die gegenwärtige Ausnahmesituation bringt viel Verantwortung mit sich, um die Verbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Die verschärften Maßnahmen sind ein notwendiger Schritt, um das deutsche Gesundheitssystem nicht an den Rand der Belastungsgrenze zu bringen. Dennoch sehe ich bei all den negativen Auswirkungen aufgrund der Pandemie  auch als positiven Nebeneffekt, dass der Gesellschaft vor Augen geführt wird, Lebensmittel wieder mehr wertzuschätzen - ebenso wie den  Handwerksbäcker um die Ecke.

Die Grundversorgung der Deutschen wird nicht zuletzt durch flächendeckende Landwirtschaft, die Bäcker und die regionalen Metzger gewährleistet. Daher kann ich es nur immer wieder betonen: Es gibt keinen Grund für Hamsterkäufe! Wenn gehortete Lebensmittel ihr Verfallsdatum überschreiten oder wegen Nichtgebrauch entsorgt werden, ist das nicht mit dem Credo der allgemein propagierten Nachhaltigkeit zu vertreten. Das nützt niemanden und hat mit Wertschätzung rein gar nichts zu tun. Und wenn einmal das eine oder andere sehr exotische Genussmittel vorübergehend nicht verfügbar sein sollte, kann man diese Situation auch zur eigenen Besinnung auf das Wesentliche nutzen und die Globalisierung überdenken.

Wir müssen uns in Geduld üben – aber, und da bin ich optimistisch, auch die Corona-Welle wird ihren Zenit erreichen und überschreiten. Und dann werden wir hoffentlich wieder mit mehr Wertschätzung auf die Dinge blicken – und sicher nicht nur im Bereich unserer Lebensmittel.