Bundesentwicklungsminister zu Gast – Christliches Menschenbild als Richtschnur

05.09.2017

„Globalisierung gerecht gestalten“ – unter dieser Überschrift stellte Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller(CSU) am vergangenen Donnerstag seinen Besuch in Tauberbischofsheim-Distelhausen. „Wir freuen uns sehr, die Stimme der deutschen Entwicklungshilfe hier in der Alten Füllerei der Distelhäuser Brauerei begrüßen zu dürfen“, betonte Wahlkreisabgeordneter Alois Gerig, auf dessen Einladung der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ins Taubertal gekommen war. Dabei unterstrich Alois Gerig die enorme Bedeutung des Themas Entwicklungshilfe. „65 Millionen Menschen sind auf der Flucht vor Hunger, Krieg oder Naturkatastrophen – mit der Entwicklungshilfe vor Ort können wir diesen Menschen Chancen in ihrer Heimat aufzeigen und so Fluchtursachen entgegentreten“, ist der Bundestagsabgeordnete überzeugt.

Auch der Minister kam gleich zur Sache: Die Globalisierung schaffe riesige Chancen und bringe viele Gewinner hervor, zu denen ganz besonders Deutschland gehöre. „Ich sage aber auch, dass es Schattenseiten gibt. Ein freier Markt führt nämlich auch zur Ausbeutung von Mensch und Natur. Deshalb dürfen wir diesen Markt nicht frei walten lassen“, so Gerd Müller. Als weiteres Beispiel für die „dunkle Seite“ nannte er die Textilbranche. „Wer Jeans trägt, muss wissen, dass der allergrößte Teil dieser beliebten Hosen in Entwicklungsländern wie Vietnam, Bangladesch oder Äthiopien produziert wird. Von Menschen, meist Frauen, die an sechs Tagen pro Woche 15 Stunden arbeiten müssen und von dem Lohn kaum überleben können. Die Jeans, die Sie hier für 100 Euro kaufen, kostet den Anbieter gerade fünf Euro.“ Auch das sei Globalisierung. Ein Missstand, der dringend geändert werden müsse. Wenn nur ein Euro pro Jeans mehr ankomme, sei bereits viel erreicht. Deshalb sei inzwischen das deutsche Textilbündnis modellhaft auf den Weg gebracht worden.

Als Entwicklungsminister wolle er kein Verbotsminister sein. Deshalb müsse sich die deutsche Wirtschaft in allen Bereichen aufraffen und den nicht tragbaren Zuständen in vielen Teilen der Welt von sich aus entgegenwirken, „denn wir sind es, die Rohstoffe und Waren aus allen möglichen Entwicklungsländern beziehen“. Es dürfe nicht sein, dass in Indonesien der Regenwald niedergebrannt wird, um Monokulturen für Palmölpflanzen zu schaffen. „Wir müssen uns dafür einsetzen, dass es den Menschen vor Ort wieder besser geht“, betonte der CSU-Politiker. Das habe humanistische Gründe, aber nicht nur: „Denn, wenn es den Menschen schlecht geht, verlassen sie früher oder später ihr Land. Womit wir beim Thema Flüchtlinge wären“, so der Bundesminister.

So arm und rückständig die jeweiligen Staaten seien, technische Errungenschaften und die neuen Medien hätten sich auch dort längst verbreitet. Die Menschen würden via Internet die bunten Bilder aus Europa sehen und gerade die Jüngeren verständlicherweise ihr Heil in der Flucht suchen. „Wir können in Deutschland nicht einfach so weitermachen. Migration hat ihre Grenzen und ein Jahr wie 2015 kann und darf es nicht mehr geben. Wir müssen neu und anders handeln. Fest steht, dass das Flüchtlingsthema der Welt nicht allein in der Bundesrepublik zu lösen sein wird“, stellte der Minister klar. Mit Blick in die Zukunft müsse man sich nur die Fakten vor Augen halten: So werde sich allein die Bevölkerung Afrikas bis zum Jahr 2050 glatt verdoppeln. „Das sind Dimensionen, die sich viele, auch viele Politiker, offenbar nicht vorstellenkönnen. Das wird uns in den nächsten Jahren aber noch stark beschäftigen.“ Schon heute würden Tag für Tag tausende Kinder an Hunger und Durst sterben. „Eine Welt ohne Hunger ist möglich. Allerdings ist das mit großen Anstrengungen verbunden. Wir benötigen dazu viel mehr Wissen, Ausbildung und Innovation“, so Gerd Müller.

Unter dem Strich gehe es darum, den Entwicklungsländern noch mehr Unterstützung zukommen zu lassen und damit Fluchtursachen zu minimieren. „Natürlich sind wir nicht Almosen- oder Reparaturbetrieb, aber wir sind die, die Probleme lösen können“, sagte der Minister. Eine wichtige Basis dafür sei ein freier, aber auch fairer Handel. „Wir müssen über den 24. September hinaus denken. Konzepte und Visionen reichen allein nicht aus. Wir benötigen konkrete Pläne.“

Zum Abschluss dankte Gastgeber Alois Gerig dem Entwicklungsminister für sein sachkundiges Referat und hob hervor: „Unser christlicher Glaube gebietet uns, Mensch und Natur in allen Bereichen zu schützen und die Schöpfung zu bewahren – das muss uns auch als Politiker oberster Auftrag und Richtschnur sein.“